10
August
2017

Der Ring des Herzens: vom Sitz der Gefühle zum Ort des Lichtselbstes

Der Ring des Herzens: vom Sitz der Gefühle zum Ort des Lichtselbstes

Was haben ‚Gefühle‘ mit dem Göttlichen zu tun?!?

 

Das Geheimnis des ‚Herzens‘ aus der Sicht der inneren Wissenschaften besteht darin, dass es ein unsichtbarer Ort ist in der Gegend des sichtbaren Herzens.

Ein eigenes Bewusstseinszentrum. In der gnostischen Philosophie ( = der ‚Philosophie der Wissenden‘) sprechen wir von den drei Bewusstseinszentren des Menschen (Kopfraum – Brustraum – Bauch-/Beckenraum) als von den drei inneren Tempeln oder Heiligtümern, aus denen die ‚Händler und Wucherer‘ (Neues Testament), „Diebe und Räuber“ (Mani) vertrieben werden müssen auf dem Weg der Geist- oder Lichtwerdung.

Wie kommt es, dass unser ‚Herz‘ oder der Brustraum seit je als Sitz der Gefühle, des Gefühlslebens, betrachtet wird und gleichzeitig als Ort des spirituellen Zentrums des Menschen, des Göttlichen Lichtfunkens oder so ähnlich?!?

Haben ‚Gefühle‘ etwas mit dem Göttlichen zu tun?!?

Die moderne Wissenschaft versucht, die Gefühle im ersten Bewusstseinszentrum, im Kopf, zu lokalisieren, ja sogar zu erzeugen, verliert dabei aber vollständig den Bezug zum Wesen der Emotion:

dass es eine Quittierung von Wahrnehmungswertungen ist in einer bestimmten Art von unsichtbarem ‚Seelenstoff‘ (Emotional-, Fühl- oder Seelenfluidum genannt, auch Lichtäther o.ä., als Aufbaustoff des Emotionalkörpers = Seelen- oder Gefühlslebens).

Wenn wir diesen unsichtbaren ‚Seelenstoff‘ in unserem Brustraum akkumulieren, der durch Druck, Anspannungen und Blockaden, Spaltungen und Spannungen ‚aufgefressen‘ wird, dann könnten wir exakt diese Seelenfülle, die wir ständig durch die Verfolgung äußerlicher Ziele zu erreichen suchen, ‚auf den Plotz‘ innerlich in uns selber (wieder) herstellen lernen – immer, wenn sie uns wieder verlorengeht:

indem wir einfach alle Gefühle wieder zulassen und in unserem Herz-Raum versammeln, die wir gewohnheitsmäßig von Kindesbeinen an unterdrücken:

im Vertrauen, dass alles ein sich selber heilendes System ist, auch unsere Seele.

Jede Wahrnehmung ist eine Einheit von drei Komponenten, wie man weiß:

erstens Sinnesdaten (Formen, Farben, Geräusche etc.),

zweitens Beurteilungsversuch (Auswertung / Bewertung / Evaluation: bedeutungslos? negativ? positiv?),

drittens dementsprechende emotionale Quittierung (angenehme / unangenehme Gefühle wie Erleichterung / Beschwerung, Freude / Entsetzen, Beruhigung / Angst, Berührung / Abstoßung etc.):

was, nachdem ‚einstudiert‘, dann schon beim Kind oft in Sekundenbruchteilen geschieht!

Bis dahin kann es auch zu ‚gemischten Gefühlen‘ kommen, bis wir eine Gefühlssicherheit erreichen, aus der dann auch entsprechende Willens- und Verhaltenssicherheit erwachsen können.

So sind in jedem Gefühl die Bewusstseinstätigkeiten enthalten, die zu seiner Entstehung geführt haben. Gedanken ohne Gefühle sind arm, Gefühle, je entwickelter sie sind, sind jedoch reich, stets angereichert durch Gedanken!

Deswegen gibt es eine ‚Intelligenz des Herzens‘, deswegen können wir die entwickeltsten Gedankentätigkeiten durchführen, ohne unseren Bewusstseinsschwerpunkt vom Herzen in den Kopf verlagern zu müssen!!

Das Problem ist, dass wir aus mehreren ‚Persönlichkeits(an)teilen‘ oder ‚Teilpersönlichkeiten‘ bestehen, die sich alle unseres ‚Seelenapparates‘ bedienen, das heißt unseres Wahrnehmungs-, Verarbeitungs- und Empfindungsvermögens.

In erster Linie ist es das, was man in den inneren Wissenschaften Tierseele, Menschseele, Gottseele nennen kann: also

  1. das Körperwesen, der ‚wilde Mensch in uns‘,
  2. das Seelenwesen = unser ‚bewusstes Ich‘,
  3. das göttliche Geist- oder Lichtwesen in uns (das in den meisten Menschen noch schläft).

Diese drei ‚Seelen‘ stehen jedoch unter Einfluss weiterer ‚Unterseelen‘ (aus Familien- und Gruppenfeldern, karmischen Feldern, Besetzungen aller Art), die sich gleichfalls unseres Seelenapparates (und Körpers) bedienen wollen.

Aus unseren Augen schauen also oft oder stets mehrere ‚Seelen‘ gleichzeitig, und die emotionalen Quittierungen sind an unterschiedlichen Orten zu finden: im Brustraum, im Bauch- / Beckenraum, im Kopfraum, aber auch in der ‚Aura‘ oder bestimmten Körpergliedern, wenn die entsprechenden Gefühlsladungen aus ihrem Stammsitz verdrängt / woanders abgelagert sind…

Bei der Befriedigung unserer körperlichen Bedürfnisse wird unser System vom Körperwesen benutzt;

bei der Befriedigung unserer seelischen Bedürfnisse wird unser System vom Seelenwesen benutzt (muss zum Beispiel still sitzen vor Computer, Fernsehen, bei Gesprächen, Events oder ‚unnatürliche‘ Haltungen und Bewegungen bei der Arbeit pflegen etc.);

bei der Befriedigung unserer spirituellen Bedürfnisse kann unser System wiederum von anderen Seelenspakten benutzt werden (zum Beispiel in bestimmten Mudras = Körperhaltungen und –bewegungen bei Gebet, Meditation, Yoga etc.).

Wenn die sogenannte klinische Psychologie die Gefühle ausschließlich im Gehirn sucht, verkennt sie, dass sie dort lediglich physisch ‚widergespiegelt‘ sind; ich kann hier Gefühls-Wahrnehmung unterdrücken, ich kann sie aber auch stimulieren, weil Gefühle in uns in Wirklichkeit permanent vorhanden sind:

als ‚Bewusstseinsräume‘, Erlebensräume, Empfindungsräume o.Ä. in dem, was man das „Haus der Seele“ nennen kann.

Wenn nun Gefühle außerhalb des Brust-Bewusstseinszentrums, des (unsichtbaren) ‚Herzens‘ gefühlt werden, so kann das bedeuten, dass mein ‚Herz‘ besetzt ist, das heißt blockiert durch welche inneren Spannungen und Spaltungen auch immer ( = Brustraum fühlt sich zusammengepresst, eingeengt, bedrückt etc. an und / oder leer, unerfüllt), und die Gefühle sind aus ihrem Stammsitz hinausgedrängt;

oder es handelt sich um die Gefühle des ‚wilden Menschen‘ (inneres Kind‘) oder einer ‚Unterseele‘ in mir, die ich im Becken- / Bauchzentrum spüre oder woanders, wohin sie durch Selbstunterdrückung verschoben werden oder sich in Not geflüchtet haben…

Aber das eigentliche Zentrum, Haus und Heimat meiner Seele als ‚Gemütsleben‘ o.ä. ist der Brustraum, und wenn ein klinischer Psychologe mir sagen würde, der Sitz der Gefühle sei das Hirn und er habe nie Gefühle im Brustraum gespürt wie Traurigkeit, Mitleid, Liebe, Erbarmen, Zorn, Sehnsucht, Freude, Dankbarkeit, Bewegtheit, Berührtheit, Erschütterung, Angst, Verzweiflung oder Ähnliches:

dann würde mir das Angst machen (um seine Seele).

In den inneren Wissenschaften ist bekannt, dass die Wohnung des wilden Menschen in mir, auch inneres Kind, Mondenwesen o.ä. genannt (leider oft sehr traumatisiert), unser Leber-Milz-System ist, aus dem er / sie sich ‚feinstofflich‘ wie eine Wolke entrollen und seine wahre Gestalt annehmen kann, die in etwa an ein Steinzeit- oder ‚Affen‘-Alien erinnert.

Und während unsere Mensch-Seele immer so aussieht wie die jeweilige Persönlichkeit, deren sie sich in der jeweiligen Inkarnation bedient, hat das göttliche Licht-Wesen in uns, wenn es ‚gezeugt, geboren, geweckt und erwachsen‘ geworden ist, eine immergleiche strahlende Lichtgestalt, unirdisch groß, gebaut aus der festesten, stabilsten Materie, die im Universum existiert:

nämlich der Materie aus dem Ursprungsuniversum, der Supra-Dimension des absoluten Lichts, die die Eigenschaften idealer Materie in sich vereinigt – ideale Flexibilität und Gestaltbarkeit, ideale Haltbarkeit, ideale Qualitäten, Eigenschaften und Fähigkeiten…

Der Ort jenes Samenkorns des Lichts, Juwel, Perle oder wie immer man es genannt hat und nennen kann, aus dem diese göttliche Lichtwesenheit in uns zur ‚Wiedergeburt aus Wasser und Geist‘ gelangt, christlich gesprochen, ist die rechte Spitze des Herzens; anders gesagt: sie bildet den mathematischen Mittelpunkt des kugelförmigen Kraftfeldes von ca. 5-6 Metern Durchmesser, in das unser Körper eingebettet / aufgenommen ist wie das Fleisch in die Muschel.

Das Göttliche in uns ist kein Bewusstseinszustand, sondern ein Seinszustand: ein Wesen!

 

 

Unsere Gefühle als Türöffner zum Göttlichen

 

Seit je laufen Gefühle und andere Seelentätigkeiten Gefahr, von ‚Weisen‘ verachtet zu werden.

Gefühle der Erfüllung haben dabei einen besseren Stand, wie Erschütterung, Berührtsein, Erbarmen, Liebe, Frieden, Annehmen, Jubel, Triumph, Hingabe, Seligkeit, Sich-Verströmen etc.

Aber Gefühle des Leidens wie Schmerz, Angst, Entsetzen, Zorn, Verzweiflung, Traurigkeit, Bitterkeit etc. gelten als sehr ‚politisch unkorrekt‘.

Und Gefühle des Strebens wie Wunsch, Sehnsucht, Wille und Begehren sollen tunlichst überwunden werden, weil sie uns binden.

Wir verstehen die ‚Weisen‘: sie wollen nur ihre Ruhe; in der Zen-Meditation zum Beispiel gelten solche Regungen eher als Makyos / Dämonen, die wir aus uns hinaustreiben. Da stören auch die ‚positiven‘ Gefühle wie Liebe, Erbarmen, Berührtsein, Erschüttertsein etc., weil sie uns ins Menschliche hineinziehen…

Auf der anderen Seite heißt es: „Leid ist das schnellste Ross, das uns gen Himmel trägt“ (Meister Eckehart), und „In der Not lernt der Mensch beten“ (Volksmund).

„Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein zerknirschter Geist; ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen“(Psalm 51).

Und im christlichen Bereich wird der Seelenraum des „Begehrens“ als „Heilsbegehren“ mit all seiner Leidenschaftlichkeit zu dem entscheidenden Motor seelischer Dynamik auf dem Weg der Geist- oder Lichtwerdung des Menschen.

In Wirklichkeit ist es so, dass uns Menschen, besonders in moderner Zeit, das Fühlen bereits in frühester Kindheit gründlich ausgetrieben wird mit dem Effekt, dass wir keine Instrumente haben für seelische Entwicklung.

Die österreichische Dichterin Marie von Ebner-Eschenbach sagt: „Nicht, was wir erleben, macht unser Schicksal aus, sondern wie wir empfinden, was wir erleben“. Wenn wir keine seelischen Instrumente mehr haben, unsere Lebenserfahrungen zu verarbeiten, aus ihnen zu lernen und uns seelisch zu entwickeln, werden wir seelisch tot statt lebendig.

Und genau das liegt im Interesse der Mächte der Finsternis: sie wollen nicht, dass wir uns seelisch entwickeln, dass wir die wahren Gefühle des Seins fühlen, das nach Buddha aus Leiden besteht. Dazu generieren und benutzen sie von Kindheit an unsere seelischen Blockaden und Besetzungen.

Ihr Ziel ist es, die Menschen von ihrem inneren Licht abzuschneiden und an das Rad von Karma und Reinkarnation zu binden, damit ihre Weidegründe nicht reduziert werden.

Und psychologisch werden wir dievon uns so heiß ersehnten ‚positiven‘ Gefühle nie verwirklichen können, wenn wir gleichzeitig die wahren, wirklichen, berechtigten, ja notwendigen ’negativen‘ Gefühle in uns unterdrücken, wie man in der Bewegung der ‚emotionalen Intelligenz‘ unserer Zeit weiß.

Es ist jedoch so, dass unser inneres Göttliches, unser Lichtwesen, nur erweckt werden kann, wenn wir uns im Leben totgelaufen haben mit unserer horizontalen Ausrichtung. Es ist vergleichbar einem Goldklumpen in einem Geröllhaufen, der nur durch Erschütterung sichtbar gemacht werden kann; oder einem Lichtstausee hinter einer großen Mauer, die nur durch Erschütterung durchlässig werden kann.

Dabei ist es so, dass viele Menschen, die sich nach Erschütterung sehnen (dazu schauen sie Filme, lesen Romane etc.), aufgrund ihrer Blockaden und Besetzungen oft gar nicht mehr die Möglichkeiten haben, dass Erschütterung geschehen kann – und damit seelische Dynamik zur Entwicklung und Veränderung.

 

 

Hat Gott einen Emotionalkörper?

 

Aber Gefühle als solche sind, wie man in den inneren Wissenschaften weiß, in sich selber bereits etwas ‚Göttliches‘ oder ‚Numinoses‘:

Sie sind Strahlen oder Ableger von übergeordneten, gleichsam globalen ‚Seelenräumen des Seins‘, der Naturkräfte, ‚Engel‘, ‚Devas‘ o.ä.

Das spürt Friedrich von Schiller, wenn er dichtet: „Freude, schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium“ (dem Götterhimmel).

Aber auch die Angst hat ihren Gott oder ihre Göttin / Dämon oder Dämonin, der Zorn, die Traurigkeit, die Liebe, der Frieden, die Gier etc.

Gefühle sind Wegweiser. Sie zeigen mir, wo ich stehe. Wenn ich sie aus Feinden zu Freunden mache, werde ich erst Souverän im ‚Haus meiner Seele‘.

So wie Farben und Materialien in der bildenden Kunst unendlich sich entwickelt und tausendfach differenziert haben, so auch die Gefühlsräume des Hauses der menschlichen Seele durch die Bewusstseinstätigkeiten der Jahrtausende hindurch, besonders der letzten Jahrhunderte im Westen.

Das spiegelt sich in Kunst und Literatur, Musik, Film, allen modernen Medien wider.

Die differenzierten Gefühlsempfindungen, die wir heute gegenüber unserer Kindheit, gegenüber ‚einfachen Menschen‘ (oft sind sie auch nur blockiert) oder auch Tieren spüren (auch gegenüber unserem ‚inneren Kind‘), stammen alle aus differenzierter Bewusstseins- oder Seelentätigkeit (Intelligenz, Beobachtung, Reflexion etc.).

Hilft uns nun ein Gefühlsreichtum wie bei einem Goethe oder Beethoven, dem Göttlichen in uns näher zu kommen, oder streben wir eher Gefühlsarmut an?

Hat ‚Gott‘ unseren Emotionalkörper, unser Gefühlsleben, erschaffen, verfügt er / sie selber über ‚Emotionen‘ (wir lesen von Gottes Zorn und Empörung, von Gottes Liebe und Erbarmen, von seiner / ihrer Traurigkeit etc.)?!?

Nun, die Erschaffungstätigkeit ‚Gottes‘ ist eher einem Geschehen zu vergleichen als einer ‚Absicht‘. Wenn Georg W. F. Hegel, in gewissem Sinn der größte Philosoph der Geschichte, sagt, dass das Göttliche sich selber erkennt durch den menschlichen Geist (‚Mentalkörper‘), dann könnte man auch mutmaßen, dass ‚das Göttliche‘ seinen Geschöpfen einen Emotionalkörper (Gefühlsleben) mitgegeben hat, um sich selber fühlen zu können!?!

Je nachdem, wie wir das Göttliche definieren: wenn ‚Gott‘ alles ist, dann ist er / sie auch unser Emotionalkörper, es besteht also kein Unterschied zwischen uns und ‚ihm / ihr‘.

Wenn das göttliche Bewusstsein in uns alles das wahrnimmt (fühlt), was wir selber auch wahrnehmen / fühlen, dann braucht ‚Gott‘ kein eigenes ‚Gefühlsleben‘, sondern der Emotionalkörper der Gesamtnatur wäre das.

Was aber / also haben Gefühle mit dem Göttlichen zu tun?!?

Ist zum Beispiel die Liebe (auch in ihrer Erscheinungsform des Erbarmens) als das ‚höchste der Gefühle‘ identisch mit dem göttlichen Sein? Oder führt das göttliche Sein noch über die ‚Liebe‘ hinaus?!?

 

 

Vom Ring der Liebe zum Ring des Lichts

 

Hermes Trismegistos, der Sagenhafte, soll gesagt haben: „Gott ist nicht die Seele, sondern die Ursache, dass die Seele ist; nicht Geist, sondern die Ursache, dass Geist ist; nicht Licht, sondern die Ursache, dass Licht ist“ (sechstes Buch).

So könnten wir fortsetzen: „Gott ist nicht Liebe, sondern die Ursache, dass Liebe ist; nicht Leben, sondern die Ursache, dass Leben ist“ etc.

Lieber Leser, unzählige Menschen meinen, Liebe habe etwas mit Handeln zu tun, Handeln für andere, Dienst am Nächsten und so weiter.

Wer aber jemals die wahre Liebe in seinem Herzen gespürt hat, weiß um ihr Geheimnis: dass es sich hier um eine Fülle des Fühlens im unsichtbaren Herzen, im Brustraum-Zentrum handelt, die erwächst aus all den anderen Gefühlsräumen im Haus unserer Seele, wenn sie frei fließen dürfen; eine Konglomeration von Emotionalfluidum, sozusagen, die sich selber genügt, die uns mit allem und jedem verbindet, ohne eine Verbindungslinie zu ziehen: ohne zu handeln.

Je mehr Liebe, umso weniger Handeln (das gilt auch zum Beispiel in der Sexualität).

Liebe ist ein Seelenzustand, der als ‚das höchste der Gefühle‘ erlebt wird und oft mit ‚Gott‘ gleichgesetzt – denn was könnte es Höheres an Fühlen geben?!?

Liebe ist jedoch nicht der innerste Ring des Herzens; innerhalb der Liebe gibt es noch etwas, das nur erwacht, wenn die Seele innehält und ihr Heil nicht mehr in Weltlichem findet, sich also vertikal zu orientieren beginnt, nicht mehr horizontal.

Liebe kann ein Türöffner zum wahren Höchsten sein, sie kann aber auch das höchste Hindernis, die größte Behinderung des Lichts in uns sein, wenn und weil sie so satt macht…

Licht ohne Liebe – wollen wir nicht, fühlt sich nicht vollständig, nicht rund an.

Liebe ohne Lichtwerdung – kann nicht genügen, wenn die Disposition in uns erwacht ist, das wahre göttliche Lichtwesen in uns freizusetzen und zum führenden Prinzip in uns zu machen.

Liebe vergoldet das Sein. Aber das Licht vergoldet die Liebe.

11
September
2013

„Wage zu wissen – wage zu fühlen“: Der Weg der Gefühle (Artikel erschienen in „Tattva Viveka“)

„Wage zu wissen“, ist der Leitspruch alter (und neuer) Philosophen. „Wage zu fühlen“ ist eine Leitidee moderner Psychologie – dazu das Stichwort von ‚emotionaler Intelligenz‘.

Wir sollen ‚zurück ins Herz‘ finden, um den Gegensatz zwischen Haupt und Herz zu versöhnen, der den modernen Menschen so krank macht.

Ist ‚Herz‘ mehr als eine Metapher für ‚Gefühlsleben‘?

Steht das ‚Herz‘ wirklich höher als der ‚Kopf‘ – die Liebe höher als das Wissen oder die ‚Weisheit‘?!?

So einfach ist es leider nicht.

Die Frage ist nicht nur, ob es einen Gegensatz zwischen Denken und Fühlen gibt, sondern ob man überhaupt einen Unterschied zwischen beiden machen kann;

denn einerseits findet die moderne ‚klinische Psychologie‘ die Gefühle angeblich im Kopf, im Gehirn, andererseits ist die Rede vom ‚Herzdenken‘ – Intelligenz des Herzens‘ – uralt!

Kann das ‚Herz‘ denken oder ‚wissen‘, oder ist das nur eine poetische Metapher für ‚Intuition‘ oder ähnlich?

In der Geschichte der westlichen oder östlichen Philosophie wird interessanterweise zwischen Denken und Fühlen ein so großer Unterschied nicht gemacht.

Wenn in der Zen-Philosophie die Rede von ‚Makyos‘ ist, die man überwinden soll durch Meditation, dann sind damit alle Bewusstseinsinhalte gemeint, deren es genau genommen drei oder vier gibt: Denken (in Begriffen oder in Bildern), Fühlen (im Sinne von Gefühlen-Emotionen) und ‚Impulsen-Energien‘.

Und wenn René Descartes (Cartesisus) im 17. Jahrhundert sagt: „Ich denke, also bin ich“, denkt er in Wirklichkeit auch das ‚Fühlen‘, die Gefühle, das Gewahrsein, Merken, ‚Mitkriegen‘ von etwas natürlich mit: „Ich fühle (mich), also bin ich“!

Warum rümpft man traditionell so gern die Nase bei ‚Emotionen‘, warum sollen sie traditionell bekämpft und durch die ‚Vernunft‘ besiegt werden, schon in der Kindererziehung, um die ‚Menschwerdung des Tieres‘ voranzutreiben –

und warum bekommen heute schon Politiker und Wirtschaftsmanager Kurse in ‚Emotionaler Intelligenz‘: Wie lerne ich, Gefühle auszudrücken, um erfolgreicher zu sein?!?

Statt zu sagen: „Ich lasse mich nicht von Ihnen über den Tisch ziehen“, zu sagen: „Das macht mich aber sehr traurig, was Sie mir da vorschlagen.“

Und warum sind heute auch ‚Neobuddhisten‘, ‚Philosophen‘, Anhänger orientalischer spiritueller Praktiken und christliche Asketen, die die Überwindung aller Gefühle als ‚Ego‘ fordern, immer mehr in der Defensive?

Was hat es letzten Endes mit ‚Gefühlen‘ auf sich:

lästiges, überflüssiges, zu überwindendes belastendes Beiwerk des Lebens auf dem Weg zur inneren Freiheit, Coolheit und Gelassenheit –

oder Schlüssel zu einem empfindungs- und liebevolleren Umgang mit sich selbst und anderen?

Der Gegensatz zwischen ‚Kopf‘ und ‚Herz‘ wird in der Geistesgeschichte der Menschheit seit je ‚bearbeitet‘. Aber heute sagt man auch gerne: „Ich handle aus dem Bauch heraus“.

 

Kopf – Herz – Bauch: die drei Bewusstseinszentren im Menschen

 

Heute weiß man, dass das Nervengeflecht um den Bauch die Dimensionen eines Zweit- oder gar Ersthirns hat!.

Wenn Odysseus auf seinen Irrfahrten nicht mehr weiter wusste, befragte er sein ‚Zwerchfell‘, den Sitz des Bauchbewusstseins.

Altgriechisch heißt Zwerchfell „Phrên“; „schizein“ heißt schneiden, spalten, und schizophren nennen wir heute eine Bewusstseinsspaltung!

Über die ‚Kopfigkeit‘ des modernen Menschen wurde und wird viel geschimpft. Aber die Alternative, die viele suchen, liegt nicht im ‚Herzen‘ oder im ‚Becken‘, sondern in dem Entsteigen aus sämtlichen Bewusstseinsinhalten:

Frei sein nicht nur von Gedanken, sondern auch von Gefühlen, Wünschen, Bedürfnissen, Impulsen etc.

Im Grunde ist das eine Fortsetzung der frühkindlichen Tendenz, Gefühlen auszuweichen, Gefühle und Bedürfnisse zu verdrängen, zu unterdrücken, unter dem Einfluss der ‚Glaubenssätze‘ von Eltern und Pädagogen.

  • Entsetzen, Fassungslosigkeit;
  • Angst;
  • Zorn, Empörung, Wut, Hass;
  • Schmerz;
  • Verzweiflung;
  • Traurigkeit;
  • Gram, Bitterkeit…

… das sind alles Gefühle, die Kinder schon ganz früh fühlen und die einfach nur wahr und berechtigt sind.

Was daran soll schlecht sein oder weggemacht werden müssen, und warum?!?

Bedeutet die heiß ersehnte innere Freiheit wirklich, keine Gefühle und Bedürfnisse mehr zu spüren – schon kleine Kinder spüren das instinktiv und versuchen sich danach zu richten ( = Menschen sind geborene ‚Buddhisten‘)?!?

Keine Gefühle und Bedürfnisse mehr! Keine Sehnsucht, kein Wunsch – „geht sowieso nicht in Erfüllung“…

Was ist schlecht an Gefühlen und Bedürfnissen?

Und was ist der Unterschied zwischen Haupt-, Herz- und Beckenbewusstsein?!?

In Wirklichkeit sind ‚Gefühle und Bedürfnisse‘, besonders große Gefühle, die Goethe mit „Himmelsglut“ verbindet, viel näher am Herzen als noch so ‚große Gedanken‘:

„Gefühl ist alles; / Name (Begriffe / Gedanken) ist Schall und Rauch, / Umnebelnd Himmelsglut“.

Wollen wir Gefühlsarmut, ’seelische Blutleere‘, oder Gefühlsreichtum, ein reich(haltig)es, lebendiges Gefühlsleben?!?

Seelenfülle oder Seelenleere?!?

Kann man

  • Erfüllung-Glück(seligkeit) spüren;
  • Erschütterung-Berührtsein;
  • Empathie-Liebe;
  • Mitleid-Erbarmen;
  • emotionale Sattheit, Beruhigung-Befriedung;
  • Dankbarkeit;
  • Angekommensein-Einssein;
  • Annehmen-Weisheit;
  • Freude-Jubel;
  • Triumph etc. –

ohne die anderen Gefühle fühlen zu können?!?

Welches von den genannten ’negativen‘ oder ‚positiven‘ Gefühlen würden Sie jetzt gerne am liebsten spüren?

Wir haben allen Anlass,

  • fassungslos und entsetzt zu sein;
  • Angst zu haben;
  • seelischen Schmerz zu spüren;
  • tiefe, lösende Traurigkeit;
  • wahren, berechtigten, ‚heiligen‘ Zorn, Empörung etc.;
  • Verzweiflung, Gram und Bitterkeit;
  • Erfüllung-Glück(seligkeit);
  • Empathie-Liebe;
  • Mitleid-Erbarmen;
  • Beruhigung-Befriedung;
  • Dankbarkeit;
  • Angekommensein-Einssein;
  • Freude-Jubel;
  • Triumph etc. –

wenn nicht um unseretwillen, so doch um des Seins von Welt und Menschheit willen….

Welches dieser Gefühle hilft Ihnen im Moment am besten weiter?!?

Ganz ehrlich? Welches Gefühl von den oben genannten würde Ihnen im Moment am meisten bringen?

 

Gibt es schon eine wissenschaftliche Psychologie der Emotion?

 

Verehrter Leser, die sogenannte wissenschaftliche Psychologie behauptet allen Ernstes, der Sitz der Gefühle sei das Gehirn – und alle fallen darauf herein.

Im Gehirn sind die körperlichen Wirkungen von Seelenzuständen messbar, aber nicht die Seelenzustände selbst.

Seelenzustände selbst verändern unter anderem das Gehirn, wie man heute weiß.

Wenn ich dieses Körperliche durch Reize, ‚Botenstoffe‘, Drogen etc. verändere, wirke ich damit auf das Seelische zurück.

Das heißt aber nicht, dass die Gefühle im Kopf sind.

Verehrter Leser, erlauben Sie sich für einen Moment, zu Ihrem Brustraum hinzuspüren.

Fühlt Ihr Brustkorb sich im Moment eher geweitet an oder eingeengt?

Eher geleert-ausgetrocknet oder gefüllt-voll?

Genau:

Wir fühlen unsere Gefühle im Brustraum, wenn er nicht besetzt-blockiert ist aufgrund unserer inneren Reaktionsmechanismen von Kindesbeinen an –

und die Gefühle verdrängt-verlagert wurden in den Körper, in den Kopfbereich, in unser Energiesystem (‚Aura‘)…

Und das Spannendste ist:

so, wie Gedanken Gefühle hervorrufen können, so tragen / bergen Gefühle immer Gedanken in sich;

sie sind die Quelle der wahren Intuition.

Es ist nicht nötig, ‚in den Kopf zu gehen‘, um Probleme zu lösen / ‚Themen‘ zu bearbeiten:

Mit Leichtigkeit lässt es sich erlernen, aus dem Brustraum heraus wahrzunehmen, zu hören, zu sehen, zu lauschen, zu denken –

richtig:

der Brustraum ist die Stelle nicht nur des körperlichen Herzens, sondern auch des seelischen Herzens des Menschen (dieses seelische Herz hat sieben Schichten oder Dimensionen, und die äußerste Schicht ist das Fühlen-Können…).

Deswegen sage ich: „Probleme lassen sich nicht durch Nachdenken lösen, sondern nur durch Hinfühlen.“

 

Ohne Philosophie keine Psychologie

 

Das Geheimnis der Gefühle besteht darin:

Sie sind die Antwort auf die Frage des ‚Geistes‘ oder der ‚Seele‘: „Was soll ich zu dem fühlen, was mir begegnet?!?“

Damit ich meine Bewertung meiner Erlebnissse auch spüren kann.

Philosophisch gesehen, hat sich das ‚Sein‘ (‚Gott‘) aus diesem Grund die Gefühle erschaffen – wir wissen, wie problematisch und gefährlich es ist, wenn ein Körper schmerzunempfindlich ist, und genauso, wenn die ‚Seele‘ – unser ‚Innenleben‘ – keine Gefühle mehr fühlen würde (was ja bei vielen auch mehr oder weniger der Fall ist).

Unzählige Krankheiten sind die Folge, wie man heute weiß, wo man nicht weiß, was schon oder noch ‚psychosomatisch‘ ist oder was nicht.

Und wenn das ‚Sein‘ oder ‚Gott‘ etwas erschafft, dann ist es immer nichts Nichtiges, sondern etwas Wichtiges, ein ‚Seins- oder Gotteskind‘, eine Wesenheit.

Deswegen sind alle Gefühle Wesenheiten, Götter oder Dämonen, je nachdem: Gottheit der Liebe, Gottheit des Zorns, Gottheit der Angst, sie bestehen aus einem bestimmten Stoff, aus bestimmten Energien, und man kann mit ihnen ‚arbeiten‘.

Nun ist allerdings zu unterscheiden zwischen ‚echten‘, ‚wahren‘ Gefühlen einerseits und ‚unechten‘, ‚unwahren‘, ‚Film‘- oder Gedanken-Gefühlen andererseits; Oberflächengefühlen einerseits und Tiefen- oder Grundgefühlen andererseits, Primär-Gefühlen einerseits und Sekundär- (Tertiär-, Quartär- etc.) Gefühlen andererseits:

  • Von ‚Gut-Drauf-Sein‘, ‚Euphorie‘ und Ähnlichem bis zu tiefer Freude, Erschütterung, Seligkeit…
  • Von Projektionsgefühlen wie ‚Verliebtheit‘ bis zu tiefer, erschütternder Liebe und Begehren.
  • Von Unzufriedenheit, Nörgelsinn, ‚Negativität‘ zu tiefer Verzweiflung, tiefem Schmerz, tief lösender Traurigkeit etc.
  • Von Ärger, ‚Frust‘, Missmut, Unmut bis zur Verzweiflung, Zorn, Empörung, Verbitterung, Hass…
  • Von Affiziertsein, Berührtheit, ‚Bewegtheit‘ bis zur Erschüttertheit…
  • Von Gönnerhaftigkeit, Jovialität, Wohlwollen, ‚Nettigkeit‘ zu Überfließen von selbsterschütternder tiefer Liebe…
  • Von Entspannung und Gelassenheit zu tief erschütterndem Loslassen, Annehmen, Akzeptieren, Hingeben…
  • Von Dienstleistung über Hingabe bis zum Opfer, Sich-Verschenken (als inneren Gefühlen, nicht als Tätigkeiten)…
  • Von Affektiertheit, Theatralität, Exaltiertheit, Übertriebenheit, Überschwänglichkeit, ‚Enthusiasmus‘ zu echter, bewegter und tiefer Lebendigkeit und Leidenschaftlichkeit…

Woran erkennt man den Unterschied?

Machen Sie den ‚Test‘:

Stellen Sie bei jedem Gefühl, das Sie erleben, die Frage:

„Wie geht es mir damit, welches Gefühl habe ich dazu, dieses Gefühl zu fühlen – eher ein angenehmes oder ein unangenehmes?“

„Stärker oder schwächer?“

Und Sie gelangen immer mehr von ‚unechten‘ Gefühlen zu ‚echten‘ Gefühlen, von ‚Oberflächengefühlen‘ zu Tiefen- oder Grundgefühlen, von Sekundärgefühlen zu Primärgefühlen.

Und wozu das alles?

Weil

  • ‚wahre‘ Gefühle nicht zehrend, sondern nährend sind: sie erzeugen Emotionalfluidum und laden den Brustraum auf, und
  • diese ‚wahren‘ Gefühle alle Antworten auf alle Fragen mit sich transportieren, die wir uns stellen können; denn sie sind vollgeladen mit Wissen, mit Mentalkraft, mit Intelligenz – ‚emotionaler oder Herzens-Intelligenz’…

So gibt es keinen Grund, jemals wieder ‚kopfig‘ zu sein oder ‚in den Kopf zu gehen‘, um Antworten zu finden oder Probleme zu lösen;

ein Mensch, der sein Gefühlsleben geheilt und befreit hat, hat fortan den Bewusstseinsschwerpunkt im Brustraum, von dem aus er denkt, hört, fühlt, sieht etc.

 

„Das höchste der Gefühle“…

 

Was ist „das höchste der Gefühle“, wie man gern formuliert?!?

Es gibt tatsächlich Versuche in der Geistesgeschichte, eine ‚Hierarchie der Gefühle‘ aufzustellen: welche Gefühle sind gut, die besten, stehen ganz ‚oben‘, welche sind schlecht, stehen ganz ‚unten‘?

Herausgekommen ist zum Beispiel: ‚Traurigkeit‘ sei etwas Minderwertiges, zeuge von einem niedrigstehenden Bewusstseinszustand, der höchste Bewusstseinszustand sei ‚heitere Gelassenheit des Seins‘ (‚Scientology‘)…

In Wirklichkeit ist aber zum Beispiel ‚heitere Gelassenheit des Seins‘ ein nicht-brustfüllendes Oberflächen- oder Sekundärgefühl;

Wollen Sie lieber ‚heitere Gelassenheit des Seins‘ spüren oder tiefe Liebe, Freude, Seligkeit, Erschütterung, Bewegtheit, Erfüllung, Anteilnahme etc.?!?

Man vergleiche einmal die vielen Beschreibungen des Gemütszustandes von Jesus in der Bibel, der alle Facetten umfasst!

Hier ist die Falle, hier sitzt der Dämon der Spiritualität, ich habe ihn Frigor genannt.

Auf früheren seelischen Evolutionsstufen war die Askese, die Selbstunterdrückung, das Negieren der Gefühle und Bedürfnisse anscheinend nötig, um höhere Seelenqualität des Menschen zu generieren.

Aber das Gesetz unserer Zeit ist das ‚Ganzheitliche‘, ‚Tantrische‘, eine höhere, aber auch schwierigere Stufe als die asketische.

Das werden wir feststellen, sobald wir das dritte Bewusstseinszentrum des Menschen einbeziehen: ‚Bauch‘ oder ‚Becken‘.

Während der Brustraum, das ‚Herz‘, der Sitz der menschlichen Seele als des Reiters ist in diesem System, ist das Becken die Domäne des ‚wilden Menschen in uns‘ als des Reitpferdes.

Hat das Pferd es verdient, schlecht behandelt und an der Kandare gezerrt zu werden?

Der ‚wilde Mensch in uns‘, von Kindesbeinen an in uns unterdrückt, weggeschoben, ‚politisch unkorrekt‘, bis dahin, dass wie gesetzmäßig in uns der Wille gebrochen wird –

wodurch wir nur noch ein Second-Hand-Leben führen mit einem flüchtigen, substanz- und kraftlosen Kunst-Ich oder Oberflächenselbst, wie ich es nenne.

Wir haben keine Basis mehr, von wo aus wir handeln können, und werden dadurch zum Spielball von Energien, die uns zu wandelnden Gespenstern machen (siehe auch das moderne ‚ADHS‘-Kind)…

  • Und dann werden noch diese Energien verwechselt mit ‚Wildheit‘;
  • Hippeligkeit und Zappeligkeit mit Lebendigkeit;
  • Abgezogensein und Unwachheit mit kreativ und fantasievoll etc. oder gar noch ideologisch erhöht im ‚Indigokind‘.

Lieben Sie den ‚wilden Menschen in sich‘ oder hassen sie ihn?

Verachten, verabscheuen, unterdrücken, bekämpfen Sie Ihren Zornesraum, ihre Sexualität etc.?!?

Wir können fühlen, welche Angst wir haben, unsere Wildheit zuzulassen, unseren Schmerz zuzulassen, unseren allzu oft berechtigten Zorn zuzulassen, unser Entsetzen über uns und die Welt zuzulassen, unsere Angst, unsere Trauer, unsere Bitterkeit…

und uns lieber von allen ‚Gutmenschen‘ und ‚Weltverbesserern‘ erzählen lassen, der ‚Kaiser‘ – der Geist dieser Welt – habe ‚Kleider an‘ (siehe Andersens Märchen von ‚des Kaisers neue Kleider‘), es sei alles so gut, so wunderbar, so perfekt, so göttlich…

‚Aus dem Kopf, aus dem Herzen oder aus dem Bauch‘ – kann es ein geheiltes und befreites Leben geben außerhalb von ‚Ganzheitlichkeit‘?

Was ist das Ziel? Der blutleere weltenthobene ‚Selige‘ oder der ‚Vollblutmensch‘, der sein ganzes Potenzial geheilt und befreit hat und es in den Dienst seiner und anderer Seelenentwicklung stellt?

 

Verbindung von Emotionalkraft mit Lebenskraft

 

Viele Menschen haben ein wirklich ‚großes Herz‘, sind aber manchmal sehr passiv, ‚duldsam‘ oder schon fast ‚langweilig’… Und trotzdem machen sie oft den Eindruck unerlöst und getrieben zu sein…

Warum?

Weil sie noch ganz in der Unterdrückung des ‚wilden Menschen in sich‘ befangen sind, die uns in der Kindheit aufgedrückt wird:

  • Wir sollen lieb sein, nicht zornig.
  • Wir sollen still sein, nicht laut.
  • Wir sollen uns zurücknehmen, nicht dominieren.
  • Wir sollen uns zusammenziehen, nicht uns ausdehnen.
  • Wir sollen uns einfügen, nicht ‚aus der Reihe tanzen‘.

Daraus resultiert eine Grundanspannung, eine ‚Grundspannung und Grundspaltung‘, wie ich sage, die bis zum Lebensende bleibt und für extrem viele innere und äußere Krankheiten sorgt, wenn wir nichts unternehmen.

Es ist so: Wenn wir den ‚wilden Menschen in uns‘ auf eine falsche Weise ‚ruhig stellen‘, werden wir bei allem, was wir tun, seine Mithilfe verlieren…

Dieser ‚wilde Mensch‘ ist aber der Hüter unserer Lebenskraft – im Gegensatz zu bloß körperlicher Kraft. Das ist nämlich die Basis dafür, dass wir in uns selbst und im Außen frei und losgelöst sein können.

Den ‚wilden Menschen in sich‘ wieder lieben lernen, in Dankbarkeit und Bewunderung, bedeutet aber auch die eigene Sexualität als den Ausdruck der größten Naturkraft, über die wir verfügen, zu lieben, zu heilen und zu befreien.

Wenn unsere entwickelte Emotionalkraft aus dem ersten Schritt sich mit der befreiten Lebenskraft in uns verbindet, dann erst haben wir die optimale Basis für die Entwicklung auf allen Ebenen: körperlich, seelisch und geistig –

es ist vielfältig bekannt, dass ’sexuell aktivere‘ Menschen oft sehr viel mehr ‚Herz‘ haben als Menschen, die angespannt, verkrampft, selbstunterdrückerisch sind.

Das heißt: heute weiß man, dass der ‚wilde Mensch in uns‘ nicht im Gegensatz steht zu höheren Seelenqualitäten und –Eigenschaften, im Gegenteil!

Gefühlvoll und leidenschaftlich, lebendig und ‚energetisiert‘ im Umgang mit sich selbst und dem Leben sein, in all seinen Aspekten bis hin zum Spirituellen – das nenne ich den „Weg des Vollblutmenschen: über die Gefühle zum Sein“!

 

 

Der Weg der „Gefühle“

 

In der orientalischen Philosophie oder Spiritualität unterscheidet man gerne zwischen den Wegen des Hauptes (‚Jnana Yoga‘ = der Weg des Wissens, der ‚Philosophen‘), des Herzens (‚Bhakti Yoga‘ = der Weg der Liebe, der liebenden Hingabe des ‚Mystikers‘ an Gott oder das Sein) und des Beckens (‚Karma Yoga‘ = der Weg des Tuns / Handelns / tatkräftigen Schaffens des ‚Heiligen‘ im Dienst des Seins).

Die Theosophie hat daraus das Ideal des ‚Raja Yoga‘ (Königsyoga) entwickelt, das alle drei Wege zusammenfasst.

Man könnte denken, innerliche Freiheit, über den Dingen stehen etc. vertrage sich nicht damit, sich auf Gefühle einzulassen.

Es ist aber ein Unterschied, ob ich frei von Gefühlen bin oder frei in Gefühlen.

Das hat mit dem Wesen der Gefühle zu tun, die ja nur verschiedene Räume im ‚Haus der Seele‘ bilden.

Es geht nicht darum, das ‚Haus der Seele‘ verarmen zu lassen, künstlich zu verkleinern wie eine Magenverengung, um nicht mehr viel fühlen zu müssen, sondern darum, dass diese Gefühle nichts anderes sind als Hilfsmittel, zu höheren Gefühlen und Bewusstseinszuständen aufzusteigen.

Dazu müsste aber das saloppe Reden über Gefühle, wo jeder zu wissen glaubt, was mit den verschiedenen Namen für Gefühle gemeint ist, verwandelt werden in eine wissenschaftliche Theorie und Praxis der Emotion.

 

Revolutionäre Selbstbefreiung – für eine wissenschaftliche Theorie und Praxis des Bewusstseins

 

Auf meiner Suche nach Freiheit, Wahrheit und Richtigkeit bin ich 1994 auf ein merkwürdiges Phänomen gestoßen.

Wieder einmal war der Punkt gekommen, wo alles zusammenbrach und ich nicht mehr wusste, was richtig und falsch war. Alles wurde mir egal und ich überließ alles seinem Schicksal, mischte mich nicht mehr ein und versuchte nicht mehr verzweifelt, alle Brüche im Innen und Außen zu kitten und zu heilen.

Wo sollte es „langgehen“?

Dadurch, dass ich plötzlich alles zuließ, das Fühlen aller Gefühle, die in mir hochkamen, ohne sie zu filtern und zu bewerten, konnte ich mich tief fallen lassen in das Untergeschoss des Hauses meiner Seele, zum ersten Mal wirklich entspannen und dann erlebte erstaunt, dass sich trotzdem oder jetzt erst alles gut und richtig anfühlte.

Ich erkannte, dass wir in unserer Kindheit unter dem Einfluss von Unwissen und Hilflosigkeit ein vollkommen überflüssiges künstliches Ich aufgebaut haben – ich nannte es später das Oberflächenselbst -, das uns leiten soll im Leben und doch zu einem Gespenst wird, das wirkliches Leben verhindert.

Ich erkannte die Lebensqualität, die darin liegt, seine echten und wahren tiefen Gefühle und körperlichen, seelischen und geistigen Bedürfnisse wieder zuzulassen, und dass es nicht nötig ist, sie zu unterdrücken und zu verdrängen, wenn man innerlich frei sein will.

Aber noch mehr: mit dem Fließenlassen der Gefühle kam Intuition, eine Sicherheit des Seins, Gefühlssicherheit, Willenssicherheit, Verhaltenssicherheit und ich lernte, immer besser die Spreu vom Weizen zu unterscheiden, das Falsche vom Wahren, das Unechte vom Echten, Authentischen, bei mir selbst und bei den anderen Menschen.

Es begann ein qualitativ hochwertiges Leben aus emotionaler Intuition auf allen Ebenen, vom Einfachsten bis zum Komplexesten, vom scheinbar Bedeutungslosesten zu den brisantesten, höchsten und existenziellsten Ebenen – plötzlich wurde alles ganz leicht und hell. Ich nannte es „die Heilung und Befreiung meines unteren Selbstes…“

Ich musste mir keine Sorgen – Gedanken – mehr darüber machen, ‚wo’s langgeht‘ oder was jetzt richtig war, sondern hatte Zugang und Eingang gefunden in eine gefühlvolle, kraftvolle, intensive und ‚leidenschaftliche‘ Welt, in der ich alle jeweiligen Gefühle des gegenwärtigen Moments spüren und daran entlanggehen konnte – alle Höhen und Tiefen mit eingeschlossen, selbstverständlich.

Ich glaube damals fand ich wahrscheinlich zum ersten Mal in meinem Leben diese tiefe, innere Orientierung und Weisheit.

Aus dieser Erfahrung wurde „Wage zu fühlen – P 2000“ geboren, eine besonders effektive Methode zur Wiedereroberung des Hauses der Seele durch die „Heilung und Befreiung des unteren Selbstes“ auf dem Weg zum – ich nenne es den „Vollblutmenschen“. In vielen Einzel- und Gruppenarbeiten mit unzähligen Menschen wurde diese Methode jahrelang weiterentwickelt. Zusätzlich begann ich dann natürlich auch Trainer auszubilden und zu lizenzieren.